Tore bewegen die Börse!



Anders als in Italien oder Dänemark mieden die deutschen Fußball-Klubs bisher die Börse - außer Borussia Dortmund. Das ändert sich im Augenblick. Nicht nur SpVgg Unterhaching stürmt jetzt auf das Parkett, sondern noch ein zweiter deutscher Verein. Dieses Verhalten könnte Nachahmer geben. Lohnen sich Fußball-Aktien?

"Manni" Schwabl wurde mit dem FC Bayern 3-mal Meister und einmal DFB-Pokal-Sieger. 4-mal kam der 1,70 Meter kleine Mittelfeldspieler in der deutschen Nationalmannschaft zum Einsatz.


Ein Drittligist will an die Börse

Nach einem misslungenen Ausflug in die Bauwirtschaft und einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren kehrte Schwabl ins Fußballgeschäft zurück. Seit 2012 ist er Präsident der Spielvereinigung Unterhaching und bewahrte den Klub damals vor der drohenden Insolvenz. Der Klub, der 1999/2000 mit einem 2:0-Sieg Bayer Leverkusens Titelträume platzen ließ, rutschte bis in die vierte Spielklasse, die Regionalliga Bayern ab. Schwabl kriegte die Wende hin. Vor zwei Jahren gelang die Rückkehr in die dritte Liga.

Schwabl hat schon lange die Idee zu einem Börsengang. Ende Juli strebt der Drittligist an die Münchner Börse - zu 8,10 Euro. Die Zeichnungsfrist läuft und endet am 26. Juli.

Damit will Unterhaching 12 Millionen einsammeln. Vier Millionen Euro hat der Klub bereits über Ankerinvestoren eingesammelt. Als kleiner Verein müsse man innovativ sein, sonst habe man im Haifischbecken des Profifußballs nichts verloren, sagt Schwabl.


Niemand soll mehr zittern für die Lizenz

Mit dem Gang aufs Parkett will der Drittligist die Schulden abbauen, die Infrastruktur verbessern und in Nachwuchsspieler investieren. Schwabls Wunsch: Mit der Börsennotierung "brauchen wir in Zukunft keine Angst mehr um die Lizenz zu haben, der Börsengang gibt uns Planungssicherheit für die nächsten Jahre."

Der Wunsch zu einem Börsengang ist neu. In den letzten Jahren lehnten mehrere große Klubs ab. Der FC Bayern setzte lieber auf reiche Sponsoren wie Adidas und Audi, Schalke 04 zapfte den Kapitalmarkt über eine Mittelstandsanleihe an. Und Hertha BSC sammelte Geld über Private-Equity-Investoren ein.


Den Anfang machte der BVB

Borussia Dortmund war lange Zeit der einzige deutsche Klub, der sich an die Börse traute - im Jahr 2000 wurden die Titel für 11,00 Euro ausgegeben. Das ist aber lange her. Eine anfängliche Euphorie wich schnell der Ernüchterung. Der Kurs stürzte bis auf 82 Cents ab, zeitweise drohte dem BVB gar die Pleite.

Heute hat sich der Revierklub wieder gefangen - und ist zum Erzrivalen des FC Bayern geworden. Dabei war es eine große Hilfe, dass die BVB Aktie einen Sprung nach Oben machte. Der Kurs hat gut 50 Prozent zugelegt.


Alles ist abhängig vom sportlichen Erfolg

Borussia Dortmund zeigt aber auch, wie volatil Fußball-Aktien sind. Wenn ein Klub in eine Krise kommt und verpasst die internationalen Wettbewerbe, geht es auch mit der Aktie talwärts. Gewinnt man dagegen die Champions League, springt der Kurs hoch. Auch teure Spieler-Transfers bewegen den Kurs.

Unterhaching wagt als erster Klub aus dem Unterhaus des deutschen Fußballs das Experiment Börse. Hier spielt das internationale Geschäft keine Rolle. Kursentscheidend dürften der sportliche Erfolg in der dritten Liga und die wirtschaftliche Situation des Vereins sein. In der dritten Liga macht Unterhaching jährlich einen operativen Verlust von 2,5 Millionen Euro. Deshalb ist ein Börsengang "alternativlos", sagt Schwabl. Ein Aufstieg in die Zweite Liga sei für eine gute Entwicklung der Aktie zwingend erforderlich. Dort lockten dann relevante TV-Erlöse.

"Der Börsengang ist für Anleger und uns attraktiv", glaubt Präsident Schwabl.


Vorbildfunktion für kleinere Vereine?

Unterhaching ist ein Modell für andere Underdogs in der deutschen Fußball-Landschaft. Jörg Flechtner, geschäftsführender Gesellschafter der Portfolio Control, die den Hachinger IPO begleitet, könnte der Börsengang eine Art "Leuchtturm für kleinere Fußballvereine" werden.

Im Ausland zeigt es sich, dass mit Fußball-Aktien in der Vergangenheit kaum Geld zu verdienen war. Von den europaweit zwei Dutzend börsennotierten Klubs notieren nur wenige über dem Ausgabekurs. Diese hängen extrem von Titeln und dem sportlichen Erfolg ab. Bleibt der sportliche Erfolg aus, droht eine Abwärtsspirale. Fußball-Aktien sind daher eher Liebhaber-Aktien für Fans.


Fußball-Aktien europaweit im Abseits

Von den börsennotierten Klubs sind nur vier absolute Top-Teams in Europa, nämlich Manchester United, Ajax Amsterdam, Juventus Turin und Borussia Dortmund. Anderen Vereine aus der Türkei oder Dänemark kommen meist nie über die Vorrunde in der Champions League hinaus, falls sie sich dafür überhaupt qualifizieren. Die großen Werbegelder und TV-Prämien entgehen ihnen deshalb.

Nach einem Fußball-Aktien-Boom 1990 in Großbritannien haben sich dort inzwischen fast alle Klubs wieder vom Parkett zurückgezogen. Sie setzen lieber auf Investments von Scheichs und Oligarchen.


Wie eng Höhen und Tiefen beim Aktienkurs zusammenliegen, hat zuletzt Ajax Amsterdam bewiesen. Als Ajax im Halbfinale der diesjährigen Champions League ausschied, verlor die Aktie innerhalb eines Tages ein Drittel ihres Wertes.


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