Globale Zinswende aus China?


Sollte es so sein, dass sich das derzeit diskutierte Szenario einer von China ausgelösten globalen Zinswende als Wahrheit herausstellt, wäre dies nicht der „Untergang des Abendlandes“. Wir hätten dann eher unsere „normalen“ Verhältnisse in Bezug auf die internationalen Handelsbeziehungen zurück.

Angesichts der seit Jahren fallenden Zinsen und aktuellen geldpolitischen Lage sind derzeit nur schwer ökonomische Konstellationen vorstellbar, die auf globaler Ebene für steigende Zinsen sprechen.

Volkswirte und Finanzmarktanalysten diskutieren seit Monaten dieses Szenario. Dieses hat tatsächlich das Potential eine globale Zinswende einzuleiten.

Das Szenario sieht im Wesentlichen wie folgt aus:

Durch den Handelsstreit mit den USA, macht die chinesische Administration ernst mit ihrem geplanten Vorhaben, die sogenannte ökonomische „Umsteuerung“ der chinesischen Volkswirtschaft einzuleiten. „Umsteuerung“ bedeutet hier im Wesentlichen, dass sich Chinas Volkswirtschaft von ihrer starken Exportorientierung löst und seine Wirtschaftspolitik stärker an der Binnenkonjunktur ausrichtet. Damit wäre ein Rückgang des Außenhandels der Exportüberschüsse Chinas, v.a. gegenüber den USA verbunden. In Wahrheit zeigen aber neuere Handelsbilanzzahlen dass der Export in andere Länder steigen wird.

Ein Bezug zu den globalen Zinsen wird jetzt über die Kapitalbilanz hergestellt:

Exportüberschüsse gegenüber den USA heißt auf der Kapitalseite zwingend, dass China per Saldo amerikanische Wertpapiere erwirbt. Konkret bedeutet das das China als Nachfrager nach amerikanischen festverzinslichen Wertpapieren auftritt. Werden diese Überschüsse nun reduziert, oder verwandeln sich langfristig sogar in Exportdefizite, dann sinkt ein großer Anteil der Gesamtnachfrage nach amerikanischen Treasuries. Daraus folgt ein Abfallen der Kurse und ein Ansteigen der Renditen bzw. Zinsen. Aufgrund der enormen Größe des amerikanischen Kapitalmarktes würde dies vermutlich auch auf globaler Ebene einen Anstieg der Zinsen bewirken. Vorübergehende Einbrüche an den Aktienmärkten wären dann die Folge.

Damit das oben gezeigte Szenario tatsächlich eintritt muss noch folgender Aspekt beachtet werden:

Selbst, wenn sich dieses Szenario bewahrheitet, würde dies realwirtschaftlich betrachtet eigentlich zu einer Normalisierung der internationalen Handelsbeziehungen führen.


Der Grund dafür ist folgender:

Seit Jahrzehnten besteht ein Kapitalbilanzdefizit in China. Dies ist eigentlich ein „kranker“ Zustand, denn ein sich erst entwickelndes Land (China) vergibt Kredite an das entwickelteste Land, die USA. Das skizzierte Szenario läuft nun darauf hinaus, dass sich diese Situation umdreht: Wenn Chinas Nachfrage nach amerikanischen Wertpapieren entfällt oder gar durch chinesische Neu-Emissionen Kapital aus den USA und Europa abgezogen wird und China tatsächlich zu einem Kapitalbilanz-Überschuss kommt, wird China so zum Netto-Schuldner. Realwirtschaftlich bedeutet das, dass ein sich entwickelndes Land (China) Kredite bei entwickelten Ländern (USA/Europa) nimmt. Dies ist der eigentliche Normalzustand und eine Rückkehr zu "normalen" Zeiten sollte niemand fürchten - trotz möglicher, damit verbundener Marktverwerfungen.


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